Wird die Landwirtschaft dem Zeitgeist geopfert? Landvolk sieht Aktionismus kritisch

Wirtschaft Von Redaktion | am Mo., 16.09.2019 - 17:28

Zahlreiche Umweltverbände rufen in Deutschland für den kommenden Freitag, 20. September, zur Teilnahme an den global stattfindenden Klimademos auf. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wolle, dass Deutschland international eine führende Rolle beim Klimaschutz einnimmt und aufgrund der Dynamik des Klimawandels schneller und entschiedener handelt. Die Große Koalition beschließe am Freitag ein Maßnahmenpaket, um nationale und internationale Klimaziele bis 2030 erreichen zu können. Parallel dazu stünden Einschränkungen im Pflanzenschutz, höhere Standards in der Tierhaltung und weitere Verschärfungen der gerade erst novellierten Düngeverordnung auf der Tagesordnung.

„Den aktuellen politischen Aktionismus und die Ankündigung der aus unserer Sicht nicht zu Ende gedachten Verordnungen und Gesetze können unsere Landwirte nicht mehr verstehen oder umsetzen. Wir befürchten, dass viele Betriebe sich zur Aufgabe gezwungen sehen“, erklärt dazu Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke. „Klimaschutz, Biodiversität, Umweltschutz sind für unsere Betriebsleiter keine Fremdwörter – im Gegenteil. Landwirte arbeiten in und mit der Natur, sind von ihr abhängig wie kaum eine andere Branche und stellen sich auf die jeweiligen Begebenheiten ein“, führt Schulte to Brinke aus. Politik lasse sich momentan jedoch dermaßen stark von der Fridays-For-Future-Bewegung treiben, dass jegliches Augenmaß für die Konsequenzen der ad hoc beschlossenen Maßnahmen verloren gehe, bewertet der Landvolkpräsident den Aktionismus der Regierung.

Mit ihren Gesetzentwürfen trieben insbesondere Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Agrarkollegin Julia Klöckner die Landwirte zur Betriebsaufgabe. „Umwelt-, Tier-, Natur- und Wasserschutz sind sehr wichtig, aber nicht dermaßen stark zu Lasten der Landwirtschaft, dass wir unsere Lebensmittel nicht mehr in Deutschland in einer Qualität produzieren können, die europaweit kaum zu finden ist“, äußert Schulte to Brinke seinen Unmut. Politik dürfe keine voreiligen Beschlüsse fassen, die später teuer bezahlt und bitter bereut würden. „Wenn wir unsere Kulturen in den Roten Gebieten nur noch zu 80 Prozent des Bedarfs düngen dürfen, ist das Murks. Humusaufbau zur wichtigen Kohlendioxid-Speicherung ist nicht möglich, und verhungernde Zwischenfrüchte können keinen Beitrag zur CO2-Speicherung leisten. Wir brauchen ordentliche Konzepte, keine medienwirksamen Schnellschüsse, sonst leiden Natur und Bauern“, fordert Schulte to Brinke.

Er hofft, dass die betroffenen Berufszweige vorher gehört werden, um Maßnahmen, die weder der Natur noch dem Klima oder dem Verbraucher nützen, zu verhindern. „Wir brauchen eine weitreichende Klimapolitik sowie offene Augen und Ohren für die Sorgen der Menschen, die von den Veränderungen betroffen sein werden – dazu gehören auch die Landwirte. Dann können wir die notwendigen, wichtigen Schritte gut mitgehen“, sagt der Landvolkpräsident.