Minister Thümler informiert sich am Ostfalia-Standort Suderburg über Forschungsprojekt zum Abwasser-Monitoring

Politik Von Extern | am Mo., 07.06.2021 - 14:45

Forscher der Ostfalia und der LUH untersuchen die Möglichkeiten einer Epidemie-Frühwarnung über das Kanalnetz am Beispiel von SARS-CoV-2

SUDERBURG. Mit Ansätzen der abwasserbasierten Epidemiologie beschäftigt sich ein Forschungsteam am Standort Suderburg der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften. In Zusammenarbeit mit der Leibniz Universität Hannover (LUH) und zahlreichen Praxispartnern soll untersucht werden, wie ein gezieltes Abwasser-Monitoring bei der Eindämmung von Epidemien unterstützen kann. Einen ersten Einblick in die Forschungsarbeiten des Projekts „SCREENING – Frühwarnsystem Kanalnetz am Beispiel von SARS-CoV-2“ und die dazu geplante Methodik präsentierte das Team am 7. Juni 2021 dem niedersächsischen Wissenschaftsminister Björn Thümler bei einem Besuch in Suderburg.

Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler:

„Angesichts der Corona-Pandemie sind Politik und Gesellschaft – wie selten zuvor – auf die engagierte Arbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern angewiesen. Das Vorhaben hier in Suderburg beschäftigt sich mit Virenfragmenten und der Tatsache, dass sich diese im Abwasser nachweisen lassen – und zwar schon bevor ein größerer Infektionsherd bekannt wird. Wenn daraus ein Maßnahmenkatalog entwickelt werden kann, der Kommunen und Gesundheitsämtern ein Instrument an die Hand gibt, um ein Frühwarnsystem für Epidemien zu etablieren, wären wir einen großen Schritt weiter. Bestenfalls kann diese Form des Monitorings auch im weltweiten Einsatz Standards setzen, um frühzeitig reagieren und handeln zu können. Ich bin schon jetzt gespannt auf die Ergebnisse! Allen an diesem Projekt Beteiligten wünsche ich weiterhin gutes Gelingen.“

Ostfalia-Präsidentin Prof. Dr. Rosemarie Karger:

„In diesem Projekt zeigen sich eindrücklich die Stärken unserer Hochschule für angewandte Wissenschaften und ihrer gut vernetzten und praxisnahen Forschung, die hochaktuelle gesellschaftliche Herausforderungen aus verschiedenen Perspektiven aufgreift.“

Die Ansätze der abwasserbasierten Epidemiologie gehen darauf zurück, dass infizierte Personen über ihren Stuhl genetisches Material von Viren ausscheiden können. Forscher untersuchen, wie dadurch Rückschlüsse auf das Infektionsgeschehen in den am Kanalnetz angeschlossen Siedlungsgebieten ermöglicht werden. Die Methoden im SCREENING-Projekt planen Prof. Dr. Markus Wallner und Prof. Dr. Artur Mennerich – beide Experten für Siedlungswasserwirtschaft an der Fakultät Bau-Wasser-Boden der Ostfalia – gemeinsam mit Prof. Dr. Regina Nogueira, Professorin für Wasser- und Abwasserbiologie an der LUH.

„Unser Ziel ist die Erstellung eines Leitfadens für Kommunen, Gesundheitsämter und Abwasserbetriebe, der aufzeigen soll, wie das vorhandene Abwasserkanalnetz im Falle von zukünftigen Epidemien optimal als Frühwarnsystem für lokale Infektionsherde genutzt werden könnte“, erklärt Projektleiter Wallner.

Das Vorgehen gliedert sich in drei Schwerpunktthemen, die dem niedersächsischen Wissenschaftsminister bei seinem Besuch anhand von Versuchsstationen demonstriert wurden. Ein Teil des Projekts besteht in der genauen Analyse der Kanalnetze, um die optimalen Standorte für die Probenentnahmen zu identifizieren. Im SCREENING-Projekt geschieht dies zunächst anhand der drei niedersächsischen Städte Uelzen, Celle und Hildesheim. Ein zweites Schwerpunktthema bildet der Prozess der Probenentnahme selbst. Der dritte Schwerpunkt widmet sich der Probenaufbereitung und mikrobiologischen Analyse von SARS-CoV-2 im Abwasser.

Das Projekt mit einem Gesamtvolumen von 735.000 Euro für zwei Jahre wird gefördert durch den Strukturfonds EFRE (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung), einer Ko-Finanzierung des Landes und durch Eigenmittel der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften sowie der Leibniz Universität Hannover. Partner im Forschungsvorhaben sind der Abwasserzweckverband Uelzen, der Eigenbetrieb Stadtentwässerung Celle, die Stadtentwässerung Hildesheim, das Gesundheitsamt Landkreis Hildesheim sowie der Landesverband Nord der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall.