Große Mehrheit der Wirtschaft steht hinter Europa

Wirtschaft Von Redaktion | am Fr., 03.05.2019 - 17:20

Die deutsche Wirtschaft sehe in dem Staatenbündnis einen Stabilitätsanker, zeigt eine DIHK-Umfrage. Kritik gibt es für zu viel Bürokratie. Um Europa gemeinsam zu gestalten, ruft die IHK Lüneburg-Wolfsburg dazu auf, an der Europawahl am 26. Mai teilzunehmen.

Die deutsche Wirtschaft stehe mehrheitlich hinter der Europäischen Union. Das zeige das aktuelle Unternehmensbarometer Europawahl des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), an dem sich knapp 1.800 Unternehmen beteiligt haben. 82 Prozent sehen in dem Staatenbündnis einen Stabilitätsanker in global turbulenten Zeiten. „Wir müssen uns für Europa einsetzen, um den Frieden langfristig zu sichern, und um dafür zu sorgen, dass wir in der Welt eine Stimme haben“, sagt Andreas Kirschenmann, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg, und ruft die regionalen Wirtschaftsvertreter rund vier Wochen vor der Europawahl dazu auf, am 26. Mai wählen zu gehen. Ganz nach dem IHK-Motto: #GemeinsamEuropaGestalten.

Unter dem Hashtag hat die IHK-Vollversammlung eine Social-Media-Aktion gestartet. Auf facebook.com/ihklw und twitter.com/ihklw machen die ehrenamtlich engagierten Unternehmerinnen und Unternehmer auf die Wahl und die Bedeutung Europas aufmerksam. „Es geht uns in erster Linie um die europäische Idee. Denn Freiheit, Demokratie und Frieden sind nicht selbstverständlich. Wir müssen uns immer wieder aufs Neue dafür einsetzen, sie zu erhalten“, sagt Kirschenmann. „Gleichzeitig ist Europa aus wirtschaftlicher Sicht keine Wahl – sondern existenzielle Notwendigkeit“. Kirschenmann macht das an konkreten Zahlen deutlich: Knapp 67 Prozent aller Exporte aus Niedersachsen gehen in Mitgliedsstaaten der EU. Im Gegenzug bezieht Niedersachsen rund 57 Prozent seiner Einfuhren aus EU-Ländern. Kirschenmanns Position ist daher klar: „Wir brauchen ein geeintes Europa, das nach außen als starker Partner für einen freien Handel und offene Märkte eintritt“.

Vor diesem Hintergrund ist die IHK Lüneburg-Wolfsburg im Bündnis Niedersachsen für Europa vertreten, das Anfang 2019 von Politik, Kirchen, Unternehmern und Gewerkschaften gegründet wurde. Ziel des Bündnisses ist es, über die Europäische Union und ihre Institutionen zu informieren und die Menschen aus Niedersachsen zur Teilnahme an der Europawahl im Mai zu motivieren. Rückenwind kommt aus der Wirtschaft, wie die DIHK-Umfrage deutlich macht: Der grundsätzliche Zuspruch sei hoch, selbst in Unternehmen, die nicht grenzüberschreitend tätig sind. So werten fast drei Viertel der Unternehmen auch die gemeinsame Währung Euro wegen der weggefallenen Wechselkursrisiken als europäischen Erfolg.

Zugleich aber wollen mehr als 60 Prozent der Umfrageteilnehmer, dass sich die EU nach der Europawahl verstärkt um die Krisenresistenz der Wirtschafts- und Währungsunion kümmert. „Das muss ganz oben auf der To-do-Liste stehen. Aber darum geht es ja auch bei der Wahl, dass man über den künftigen Kurs der Europapolitik mitentscheidet“, sagt IHK-Präsident Kirschenmann, der sich ebenso wie rund die Hälfte der Umfrageteilnehmer wünscht, dass die EU die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft in den Blick nimmt. „Dazu gehören vor allem die Sicherung von Fachkräften mittels einer stärkeren Berufsbildung in der EU, verbesserte internationale Handelsregeln und Vereinheitlichungen der steuerlichen Bemessungsgrundlage“, nennt Kirschenmann wesentliche Punkte.

Unter den Top fünf der Prioritäten steht laut Umfrage außerdem den Wunsch, die EU möge bei neuen Regulierungen die Auswirkungen auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU) verbindlich berücksichtigen. Kirschenmann: „Die DIHK-Umfrage macht deutlich, dass die Unternehmer die oft praxisfremden Regelungen der EU kritisieren. Ein Beispiel dafür ist die Datenschutzgrundverordnung DSGVO, die hierzulande gründlicher, oder je nach Sichtweise auch bürokratischer, umgesetzt wird als in anderen EU-Ländern. Vier von zehn Betrieben sehen dadurch ihre Wettbewerbsposition gefährdet“. Kritikpunkte, die ernst zu nehmen sind, sagt Kirschenmann und verspricht: „Über den DIHK wird sich unsere IHK tatkräftig dafür einsetzen, dass die Umsetzung von EU-Recht keine unüberwindbaren Hürden für kleine und mittlere Unternehmen bedeuten“.

Alle Ergebnisse des DIHK-Unternehmensbarometers Europa sind zu finden unter www.ihk-lueneburg.de/europa.